Urlaubsrezept

Wir suchen am Reiseziel immer einen Radiosender der uns
sowohl sprachlich als auch musisch mit den Klängen
des Landes bedudelt. Bei unserem Eintreffen am Lago wurde…
„Il mio giorno più bello nel mondo“ von Francesco Renga
gespielt. Einst hatten wir immer die Satellitenschüssel
aufgebaut um deutsches Fernsehen und deutsches Radio
zu empfangen doch über die Jahre nahmen wir wahr dass wir
um Urlaub zu haben eigentlich ins Ausland fahren um
nicht immerzu der deutschen Negativbetrachtung der Welt
ausgesetzt zu sein. Deshalb ersehnen wir weder RTL noch ARD
etc. im Feriendomizil ausgesetzt zu sein.

Und ja wir sind gegenwärtig am Lago di Garda, dem See den
wir damals gewissermaßen nie anfahren wollten. Doch seit
Jahren immer wieder dem Drang des echten Dolce Vitas verfallen.
Und bitte jetzt keine Grundsatzdiskussion: „wie könnt ihr nur?
Und ausgerechnet. Das verstehe ich nicht etc.“
Es muss keiner verstehen was wir mögen.

Der Lago hat viel mehr als nur eine Bademöglichkeit zu bieten.
Er hat genau das was andere Orte außer einer Bademöglichkeit nicht
zu bieten haben. Eine immense Vielfallt für das Nichtstun.
In dieser Landschaft kannst Du auch bei schlechtem Wetter und
Dauerregen allerlei aussitzen. Der Campingplatz La Rocca z.B
liegt so günstig zwischen Garda und Bardolino das der tägliche
Spaziergang an der Promenade ein unbedingtes Ritual sein sollte.
Und wen es weiter treibt der kann 16km bis Peschiera oder auf der
anderen Seite bis Punta San Vigilio stolzieren.
Die Costa del Amore (ok, so habe ich den Seeweg getauft) erfüllt
Dich mit einer Vielzahl von Impressionen die kaum ein anderer
Urlaubsort vermitteln kann.
Verliebte knutschen an der Uferwiese um nächstes Jahr das Produkt
ihrer verbundenen Liebe im Kinderwagen Richtung Garda zu schieben.
Schwanenpärchen belehren uns das der gewählter Partner die
Entscheidung fürs Leben sein sollte.
Nirgends beherrschen die Amseln so ein Melodienpotpourri wie am
Gardasee, die werden bestimmt dafür bezahlt um mich und all die
anderen Romantiker in ihren Bann zu ziehen.
Da wäre noch das Entenpaar zu erwähnen dass ihren allabendlichen
Watschelgang durch das Campingplatzbuffet vollzieht und uns spüren
lässt das wir als Gast gerne gesehen sind.

Heute befeuerten wir unseren Grill und stellten uns dem Versuch die
gewonnen Erkenntnisse aus dem Rezeptbuch von Maria und Wolfgang
zu kopieren.
Es gelang uns verblüffend gut aber es fehlte etwas, nein nicht der
Knoblauch oder etwa Salz, nein es fehlte das gemeinsame Speisen mit
den Rezeptgebern, Sie waren Teil dieses exzellenten Urlaubs.
Wie ihr seht ergibt die Summe der Kleinigkeiten etwas ganz Großes.
Das Leben ist wie ein Rezept mit vielen Zutaten doch nur die beste
Auswahl an hochqualitativen Einzelkomponenten lässt das Gericht
„Urlaub“ gelingen. Selten habe ich so gut „gegessen“.
Das Schöne am älter werden ist das die Intensivität der Wahrnehmung
komprimiert auf das wesentliche abgerundet wird.
Ich habe nicht ein Jahr kürzer sondern länger gelebt.

Und da war es wieder, das Lied im Radio von Francesco Renga
„Il mio giorno più bello nel mondo“
Übersetzt: „Mein bester Tag auf dieser Welt“

Wir lesen uns im nächsten Urlaub.

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