Der Camper

Der Camper schlechthin liebt die Freiheit, die Möglichkeit selbstbestimmt zu
entschieden wie sein Tag verlaufen soll.
Er wählt den Ort an dem er „hausen“ möchte nach Gefühl und Laune.
Das war der eine Camper, es gibt jedoch noch mindestens 248 Abwandlungen
dieser Spezies. Ich möchte hier nur ein paar der seltsamsten Ableger aufzuzeigen
wie diese das Camping zelebrieren.

Da wäre zum Beispiel der SPORTLICHE:
der schon Wochen vor der geplanten Abreise damit beschäftigt ist sein Inventar
in das stylest versehene Gefährt, in der Regel ein VW-Bus der neuesten
Generation mit Alufelgen, Breitreifen und 230PS, zu schlichten. Wobei die Wahl
der Motorisierung durchaus Sinn macht.

Die Ausrüstung bestehend aus mindestens 3 Fahrrädern für jeden Straßenbelag,
zwei Surfbrettern dazu ein Anhänger indem sich ein Jet-Ski und wegen der
immensen Stauflache, noch genug Platz bereit steht um eine komplette
Taucherausrüstung zu installieren.
Ohne ausreichende Pferdestärken ist eine solche Beladung nicht transportierbar.

Am Campingplatz angekommen wird die teure bankfinanzierte Errungenschaft dem
dort schon wartenden Publikum zur Schau gestellt.
ALLES, ja alles muss sofort auf der zu Verfügung stehenden Fläche wie Marktware
drapiert werden. Das Volk hat ja, in seinen Augen, den Eintritt teuer bezahlt
und wartete schließlich nur auf ihn.
Eilends schlüpfte er in einen Neoprenanzug den so manchen Camper veranlassen
müsste zu denken er wäre auf einer Christopher Street Day Veranstaltung.
ER deshalb, weil es in der Regel Endvierziger sind die mindestens zwei Scheidungen
hinter sich gebracht haben um nun im Resthormonadrenalinspeicher ihre
eigentliche Berufung versuchen zu finden. Nachdem ER innerhalb von ein paar
Stunden alle seine mitgebrachten Spielzeuge dargestellt hat wurde ER nicht
mehr gesehen.

DER GRILLER

eine der wenigen männlichen Artgenossen die augenscheinlich Multitasking
beherrschen. Während die eine Hand die Zeltheringe fixiert wird schon mit
der anderen die Flügelschrauben von den Grillfüßen angezogen. Er vergisst
dabei nie seine schweißtreibende Arbeit mit einem Schluck aus einer der
unzähligen Bierdosen zu belohnen. Das Aptamill für Männer hat er sauber in
der Wohnmobilgarage gestapelt und wird mindestens für drei Wochen reichen.
Da hatten selbst die Asiaten das Nachsehen. Nach halbwegs erfolgreicher
Montage der Wohneinheit und etwas wackeligen Beinen wird der Grill derart
befeuert das die unmittelbare Landschaft ein Teil seiner Räucheraktion sein darf.
Der Grillmeister ist dermaßen über sein Werk erfreut das er dies sofort mit ein
paar Flaschen Wein und diversen Schnäpsen feiert. Volltrunken und ohne etwas
gegessen zu haben sinkt er in den Klappstuhl, den seine Frau  aufgestellt hatte,
mit den lallenden Worten „dech ichl a gleiler Ulab“

DER RAMBO

Ein Überlebenskünstler per excellence, er hasst alle technischen Hilfsmittel
und schwört auf die bewährte Handarbeit. Unverkennbar ist sein Auftreten
im Outback der Campinganlage. Mit selbstgebauten Zeltstangen und diversen
Kombiholzkisten demonstriert er seine Unabhängigkeit.
Wie ein Kämpfer pirscht er durch das Gelände auf der Suche nach einem
NEUEN der mit der Situation zu campen noch nicht vertraut ist.  Wenn er ihn
gefunden hat kennt er keine Gnade, geradewegs wird dieser gestellt und
er wird fortan in die Geheimnisse der Überlebungstechnik im zwanzigsten
Jahrhundert angeleitet.

DIE SUPERMUTTI

Da ist sie, mit rotem Haar und sehr blasser Haut, wobei ersteres meiner Fantasie
zu schulden ist doch der folgende Beitrag ist durchaus Realität.
Sie führt Chantale und Henry an der Hand haltend durch das Areal und wird nicht
Müde zu erklären was die beiden dürfen und was nicht.
Wobei Chantal bestimmt schon 12 Jahre ist. Ihr kleinster Paul Simon, baumelt
in Brustnähe in einer selbstgehäkelten Hängematte für Kinder und weiß gar
nicht wie ihm geschieht.
Die Megamutti verlegt erstmal viele viele Meter Wäscheleine um sofort das
gewaschene und keimfreie Gewand ihrer Familie zu lüften.
Unmengen von Spielzeug und Hygienemittel versperren den Weg zum
Wohnwagen. Schließlich darf es den „Kleinen“ an nichts fehlen.
Ihr sichtlich genervter Mann fährt jeden Tag mit den Skoda Kombi zum
Platzrestaurant um Unmengen Baguette und Croissant zu kaufen.

DER GLAMPER

Das sind die neuen, die noch nie ein Zelt von innen gesehen haben aber
sich das Prädikat „Camper“ auf ihre zu hohe Stirn geschrieben haben.
Niesmann+Bischoff, Phönix oder Concord kleiden ihre Tiertranporterähnlichen
Gespanne. Beim Eintreffen, oh sorry, beim Erscheinen auf dem Campingplatz
wird ihr ankommen durch hupen, was natürlich ausversehen passiert,
angekündigt. Wenn sie dann ihr „Zelt“ geparkt haben wird sofort ein
Fläschchen Champagner geköpft und lauthals mit einem „Stößchen„ salutiert.
Diese extremen Schattenspender sind eigentlich so ausgelegt das sie locker
mehrere Tage autark außerhalb der Campingplätze betrieben werden können.
Diese Passage ist, wenn man sie lesen täte, in der Bedienungsanleitung
ausführlich erklärt.
Der Trend Glamping stammt aus den USA—noch Fragen?

Wie ihr seht ist Camping bunt geworden, in meinen Augen zu bunt.
Der Charakter „Urlaub für das einfache Volk“ ist Geschichte
Der Normalo tut sich schwer ein paar günstige Quadratmeter auf
einen der von der Schickimicki (Glamper) geprägten Klientel zu bekommen.
Leider sind die Betreiber auf demselben Zug aufgesprungen und
versuchen mit allen Mitteln dieser Kundschaft gerecht zu werden

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